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Geschichte

Städtepartnerschaftliche Begegnung 2013 in Dives-sur-Mer

In diesem Jahr waren die Oberkochener an der Reihe, über das lange Himmelfahrtswochenende in ihre Partnerstadt Dives-sur-Mer zu reisen.

An der Begegnung nahmen außer Vertretern des Gemeinderates, dem Verein für Städtepartnerschaften auch die Big Band des EAG unter der Leitung von Ralf Lehmann und Karsten Falk teil. Schülerinnen und Schüler des EAG waren zusammen mit Adréline Mazeron und Magali Hahn angereist, um sich mit ihren französischen Freunden zu treffen.

Da sich die drei Gruppen zeitlich versetzt auf die Reise gemacht haben, wurde Dives-sur-Mer mit zwei Bussen und drei PKW erreicht.

Unsere Freunde hatten für die Damen und Herren der Stadt und des Partnerschaftsvereines ein interessantes Programm vorbereitet, das am Donnerstagvormittag mit einer von Pfarrer Georges Lefebvre zelebrierten feierlichen Messe in der Eglise Notre Dame begann. Die Restaurierung der Kirche ist noch nicht abgeschlossen. Mit großem Interesse wurde das Angebot angenommen, den Kirchturm zu besteigen und die Stadt aus luftiger Höhe zu besichtigen.

Der Nachmittag galt dem Besuch des bekannten „Maison Bleue“, durch das uns Angela Eumann sachkundig führte. Von 1957 bis 1984 verbrachte der portugiesische Gastarbeiter Euclides Ferreira Da Costa die meiste Zeit seines Lebens damit, das Material für die Mosaike wie Scherben von Tellern, Kacheln und Flaschenböden auf Schutthalden zu sammeln. Daraus hat er auf seinem Grundstück einen phantasievollen Garten geschaffen, der religiöse, naive und imaginäre Elemente in Gestalt von Mosaik-Bauwerken vereint.

In der Markthalle gab die Big Band des EAG am Abend ein Konzert, das bei den Besuchern einen begeisterten Anklang fand. Von bekannten Film- und Opernmelodien bis zu modernem Swing spannten die 70 jungen Musikerinnen und Musiker unter der Leitung von Ralf Lehmann und Karsten Falk einen Bogen gekonnt vorgetragener Unterhaltungsmusik.

Die Stadt Caen mit einer 1000 Jahre alten bewegten Geschichte von Wilhelm dem Eroberer bis zur Schlacht um die Normandie war das Ziel des Ausfluges am Freitag. Das Hauptinteresse galt den beiden ehrwürdigen Klöstern, der Damenabtei, die im Juni 1066 der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht wurde, und der Herrenabtei, einem Meisterwerk der mittelalterlichen Baukunst aus dem 18. Jahrhundert. Durch beide Abteien mit ihren schönen Kirchen, Sälen und Räumen wurden wir ausgiebig geführt.

Besonders beeindruckend ist das Grab Wilhelm des Eroberers in der Sankt-Stefan-Abteikirche. Er starb am 9. September 1087 in Rouen.

Der offizielle Empfang der Stadt Dives-sur-Mer mit der Enthüllung des restaurierten Bildes „Die Taufe Christi“ fand am Abend im Restaurant „Guy Moquet“ statt und wurde durch Musikstücke der Big Band begleitet.

Da Bürgermeister Pierre Mouraret im Urlaub war, vertrat ihn der stellvertretende Bürgermeister Denis Labigne und übermittelte seine besten Grüsse. In seiner Begrüßung erwähnte er drei historische Ereignisse der vergangenen Tage: am 8. Mai jährte sich der 68. Jahrestag des Sieges der Alliierten über das Nazideutschland und damit das Ende des 2. Weltkrieges.

Der Europatag am 9. Mai und die Erklärung von Robert Schuman im Jahre 1950 legte den Grundstein für die Europäische Union. Bürger, Vereine und Schulen engagieren sich in vielen Veranstaltungen mit diesem Thema unter der Devise: „In Vielfalt vereint!“

Der 10. Mai habe mit unserer Städtepartnerschaft zwar nichts zu tun, so Denis Labigne, sei aber für Frankreich bedeutend, da am 10. Mai 2001 das Gesetz „Loi Taubira“ verabschiedet wurde, in dem Frankreich die Sklaverei und den Sklavenhandel als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit anerkennt.

Am 23. Januar 1963 wurde im Pariser Elysée-Palast der Elysée-Vertrag von General de Gaulle und Konrad Adenauer unterzeichnet. Über diesen historischen Moment sagte damals General de Gaulle, dass die große Bedeutung dieses Vertrages allen Menschen bewusst sein müsse. Nicht nur deswegen, weil er einen Neubeginn nach einer langen und blutigen Episode voller Kämpfe und Schlachten darstelle, sondern auch deswegen, weil dieser Vertrag die Türen öffnet für eine neue Zukunft für Frankreich, Deutschland, Europa und die ganze Welt. In Reims war es, wo General de Gaulle seinem deutschen Amtskollegen die Hand reichte, verbunden mit einem Bruderkuss. 50 Jahre später seien es dann Angela Merkel und Francois Hollande gewesen, die das Begrüßungsküsschen ausgetauscht hätten!

Denis Labigne kam dann auf diesen traditionellen französischen Brauch zu sprechen, der den deutschen Gästen so kompliziert erscheint, besonders den jugendlichen Austauschschülern! Die deutschen Jugendlichen werden zwar von ihren Eltern informiert, sie wissen aber nicht immer so genau, wen man wann mit einem Küsschen begrüßt. Besonders unklar sei auch die Frage, wie viele Küsschen man austauscht - zwei, drei oder vier? Aber, so meinte er, auch die Franzosen wüssten nicht immer, wie viele Küsschen angebracht sind, denn das käme auf den Anlass an und das sei auch für die Franzosen oftmals ein Problem!

Für ihn, so Denis Labigne, sei dieser Empfang am heutigen Abend ein wichtiges Zeichen der Freundschaft zwischen den Franzosen und den Deutschen und deshalb bat er darum, dass sich die Diver und die Oberkochener Gäste zum Zeichen der Freundschaft die Hände reichen. Diese Geste war für uns sehr ergreifend und ganz im Sinne der Städtepartnerschaft zwischen Dives-sur-Mer und Oberkochen.

Im kommenden Jahr können Dives-sur-Mer und Oberkochen gemeinsam den 30. Jahrestag der Unterzeichnung des Städtepartnerschaftsvertrages begehen. Diese Partnerschaft ist durch eine zufällige Begegnung der Familien Boulanger aus Dives-sur-Mer und Riede aus Oberkochen entstanden. Denis Labigne betonte, dass eine Städtepartnerschaft auf dem Engagement von Frauen und Männern in beiden Städten beruht, die uns etwas von Europa erleben lassen und freundschaftliche, brüderliche und solidarische Beziehungen zwischen den Bürgern beider Städte aufbauen möchten.

Die Jugendlichen bedienen sich immer mehr der modernen Medien wie dem Facebook, wenn sie Kontakte miteinander pflegen und diskutieren möchten. Der Redner regte an, dass die beiden Partnerschaftsvereine ein gemeinsames Facebook einrichten sollten, um sich gegenseitig über ihre Veranstaltungen zu informieren und die Gemeinschaft in einem virtuellen Netz zu vereinen. Die Zukunft der Städtepartnerschaften liegt in den Händen der Jugend, für die eine Präsenz im Internet selbstverständlich ist und bei ihr wohl auch gut ankommt!

Denis Labigne schloss seine Ansprache mit den fol nden Worten von Charles de Gaulle, mit der dieser seine Rede an die deutsche Jugend im Jahre 1962 beendete: „Sie sollen danach streben, dass der Fortschritt ein gemeinsames Gut wird, so dass er zur Förderung des Schönen, des Gerechten und des Guten beiträgt und zwar überall!“

Nach dieser Ansprache ergriff der stellvertretende Bürgermeister von Oberkochen, Reinhold Vogel, das Wort. Er übermittelte herzliche Grüsse von Bürgermeister Peter Traub, der leider verhindert war, an der Fahrt teilzunehmen. Sein Dank galt dem herzlichen Empfang durch die Stadt Dives-sur-Mer und seiner Bürger, die wie immer gute Gastgeber für die Oberkochener seien.

Christian Bréard, der Vorsitzende des Diver Partnerschaftsvereines, heißt die Gäste ebenfalls willkommen. Gemeinsam mit Reinhold Vogel enthüllt er dann das Bild „Die Taufe Christi“ und bedankt sich bei der Stadt Oberkochen für die Spende zur Restaurierung.

Die Vorsitzende des Verein für Städtepartnerschaften, Lilo Burger, überreicht mit netten Dankesworten Geschenke an Denis Labigne und Ghislaine Hanse. Bei ihr bedankt sie sich auch für die Vorbereitungen zu dem Treffen und besonders für ihren unermüdlichen Einsatz bei den Übersetzungen zu allen Gelegenheiten.

Ein unbedingtes Muss ist der Besuch des berühmten Marktes in und um die Diver Markthalle am Samstagvormittag, wo sich auch die Oberkochener einfinden, um Diver Spezialitäten zu kaufen.

Es schließt sich ein Besuch der städtischen Gärtnerei an, wo die jungen Pflänzchen darauf warten, die städtischen Grünanlagen zu verschönern. In Anwesenheit des stellvertretenden Bürgermeisters René Bazeille, der auch für die Außenanlagen zuständig ist, führt uns Benoit Cottebrune durch die vielen Gewächshäuser, in der jährlich etwa 70.000 Pflanzen gezüchtet werden. Die etwa 150 bis 180 Blumensorten werden in 650 Blumentröge verschiedener Größen eingepflanzt. In einer Orangerie stehen Kübelpflanzen bereit, um bei Empfängen als Dekoration aufgestellt zu werden.

Zum Mittagessen treffen wir uns im „Village d’Art Guillaume le Conquérant“. Danach besichtigen wir im Informationszentrum ein historisches Bleiglasfenster, das ursprünglich in der Église Notre Dame eingebaut war, während des Krieges ausgelagert wurde und erst kürzlich seinen Platz im Informationszentrum gefunden hat. Es ist eine ausgesprochen wertvolle Kostbarkeit!

Der traditionelle Partnerschaftsabend findet wieder im Restaurant „Guy Moquet“ statt, wo uns festlich gedeckte Tische und ein reichhaltiges Buffet erwarten. In seiner Tischrede betont Christian Bréard die Freundschaft zwischen unseren Städten, die nicht von Politikern aufgezwungen wurde, sondern die in den Herzen der Menschen gewachsen ist. Man besucht sich immer gerne gegenseitig, auch wenn die Reise sehr lang ist! Lilo Burger betont in ihrer Erwiderung die Freude, die einen erfasst, wenn man sich jedes Jahr mit Freunden trifft. Ihr Dank gilt auch den Diver Familien für ihre herzliche Gastfreundschaft.

Sie bedankt sich bei allen, die an der Organisation und der Durchführung des Treffens mitgewirkt haben und überreicht Geschenke an Ghislaine Hanse und Christian Bréard. Gisela Rißmann schließt sich mit launigen Worten an und schenkt den beiden je eine Briefmarke, die von der Deutschen Post anlässlich des 50-Jährigen Jubiläums des Elysée-Vertrages herausgegeben wurde.

Am Sonntagmorgen ist es leider schon wieder Zeit für die Abreise aus Dives-sur-Mer, aber wir freuen uns schon auf das Wiedersehen mit einigen Diver Freunden zum Stadtfest in diesem Jahr und natürlich auf die Städtepartnerschaftliche Begegnung im kommenden Jahr in Oberkochen, wenn wir das 30-Jährige Partnerschaftsjubiläum feiern werden.